Lord Emerich Edward Dalberg Acton (1834–1902)

John Emerich Edward Dalberg Acton (1834 - 1902) – Erster Baron Acton of Aldenham – wurde am 10. Jänner 1834 in Neapel, Italien, geboren. Sein Vater, Sir Richard Acton, entstammte einem alteingesessenen englischen Erbe, und seine Mutter, Baronin Marie Louise von Dalberg, in einer rheinischen Familie verwurzelt war, deren gesellschaftlicher Status nur von jenem der deutschen Kaiserfamilie übertroffen wurde. Drei Jahre nach dem Tod seines Vaters, 1837, heiratete seine Mutter Lord George Leveson (den späteren Earl Granville, Außenminister unter William Gladstone) und siedelte mit ihrer Familie nach Großbritannien um. Aufgrund seiner kosmopolitische Herkunft und Erziehung fühlte sich Acton sowohl in England, als auch auf dem europäischen Kontinent zu Hause und wuchs mit Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch auf.

Da er als Katholik vom Besuch der Cambridge University ausgeschlossen war, studierte John Acton an der Universität von München bei dem berühmten Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger. Durch die Lehre Döllingers, erkannte Acton auch seine Berufung zum Historiker. In seiner Zeit bei Döllinger lernte er auch die katholische und reformierte Theologie zu verstehen und zu schätzen. Durch diese Studien und seine eigene Erfahrung, erkannte Acton die Gefahren, die dem Gewissen des Individuums durch jede Art von religiöser oder politischer Verfolgung drohen. Durch den Einfluss seines Stiefvaters wurde Acton 1859 Abgeordneter im House of Commons für den irischen Wahlbezirk Carlow. Für seine Verdienste um liberale politische Belange verlieh ihm Gladstone 1869 den Adelstitel.

Schon vor seiner politischen Karriere hatte Acton den Rambler angekauft, den er zu einem liberalen katholischen Magazin machte, das der Diskussion sozialer, politischer und theologischer Inhalte und Ideen gewidmet war. Durch diese Tätigkeit und durch seine Einbindung in das erste vatikanische Konzil wurde Lord Acton als einer der eloquentesten Verteidiger von religiöser und politischer Freiheit bekannt. Er argumentierte, dass die Kirche treu ihren Auftrag erfüllt, indem sie wissenschaftliche, geschichtliche und philosophische Wahrheiten erkundet und die Freiheit des Individuums auf politischem Gebiet unterstützt.

In den 1870ern und 1880ern präzisierte Lord Acton seine Gedanken zur Beziehung zwischen Geschichte, Religion und Freiheit. In dieser Zeit begann er einen Entwurf für eine Universalgeschichte anzufertigen, um den Fortschritt der Beziehung zwischen religiöser Tugend und persönlicher Freiheit aufzuzeigen. Acton betrachtete diese Arbeit als eine „Theodizee“, eine Verteidigung von Gottes gütigem und fürsorglichem Wirken in der Welt.

Im Jahre 1895 wurde Lord Acton als Regius Professor für neue Geschichte an die Cambridge University berufen. In dieser Position bestärkte sich seine Ansicht, dass der Historiker in seiner Suche nach der Wahrheit, die Geschichte auch nach moralischen Standpunkten beurteilen muss, selbst wenn diese seiner eigenen innersten Überzeugung widersprechen. Obwohl er das mit Spannung erwartete Werk über die Universalgeschichte nie beendete, konzipierte Lord Acton „The Cambridge Modern History“ und hielt Vorlesungen über die Französische Revolution, westliche Geschichte seit der Renaissance und die Geschichte der Freiheit von der Antike bis ins 19. Jahrhundert.

Zum Zeitpunkt seines Todes, im Jahre 1902, galt Lord Acton als einer der gebildetsten Menschen seiner Zeit, unerreicht in der Breite, Tiefe und Menschlichkeit seines Wissens. Bekannt wurde er späteren Generationen vor allem durch seine Beobachtung – die er durch viele Jahre der Forschung und aus eigener Erfahrung erkannt hatte – “Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.